Tourismus & Hotellerie
Volle Häuser, dünnere Bilanzen: Der Tourismusbarometer 2026
Warum Rekord-Nächtigungen die Ertragslage der Hotellerie nicht mehr retten
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Österreichs Hotellerie meldet Rekord-Nächtigungen im Winter, doch der Tourismusindex fällt auf den schlechtesten Wert seit fünf Jahren. Der Tourismusbarometer 2026 zeigt: Auslastung sagt heute wenig über die tatsächliche wirtschaftliche Lage aus.
54,25 Millionen Nächtigungen zwischen November und Februar. Ein Rekordwinter für Österreichs Hotellerie, so viel Nachfrage wie nie zuvor.
Trotzdem bewerten die Betriebe ihre wirtschaftliche Lage schlechter als im Jahr davor.
Das ist die zentrale Erkenntnis aus dem Tourismusbarometer 2026 von Deloitte und der Österreichischen Hotelvereinigung (ÖHV): Der Tourismusindex, jährlich aus einer Befragung von 229 Tourismusbetrieben errechnet, 93 Prozent davon Hotels, fällt auf 3,2 nach Schulnotensystem. Im Vorjahr lag er noch bei 3,0. Das ist der schwächste Wert seit fünf Jahren.
Nächtigungen und Erträge laufen auseinander
Die Diagnose der Betriebe ist eindeutig. Fast jeder zweite (45 Prozent) rechnet für die kommenden zwölf Monate mit einer weiteren Verschlechterung. Kein einziges befragtes Unternehmen sieht einen deutlichen wirtschaftlichen Lichtblick. Und bei jedem zweiten Betrieb hat sich der Gewinn in den vergangenen drei Jahren schwächer entwickelt als der Umsatz.
Die Gründe dafür liegen selten in einem einzelnen Posten. Es ist eine Kombination.
Der Heizölpreis stieg im Jahresvergleich um 38,2 Prozent. Neun von zehn Betrieben rechnen wegen der geopolitischen Lage mit weiteren Kostensteigerungen für den Sommer. Gleichzeitig geben die Gäste weniger aus, als sie einchecken: 63 Prozent der Betriebe berichten von rückläufigen Nebenausgaben, vor allem in Gastronomie, Wellness und bei Zusatzleistungen. Und 43 Prozent spüren bereits eine Nachfrageverschiebung, unter anderem durch ausbleibende Gäste aus asiatischen Märkten.
Jede dieser Zahlen für sich ist überschaubar. In der Summe verschieben sie die Bilanz, ohne dass es in der Belegungsstatistik sichtbar wird.
Wo Auslastung nicht mehr reicht
Genau das macht den Befund für die Hotellerie relevant. Die klassischen Kennzahlen, mit denen viele Betriebe ihre Saison bewerten, wie Auslastung, Nächtigungen oder durchschnittlicher Zimmerpreis, beschreiben die Nachfrageseite. Sie sagen nichts darüber aus, was von einem Euro Umsatz am Ende tatsächlich übrig bleibt.
Wer nur auf diese Zahlen schaut, sieht einen guten Winter. Wer auf die Kostenseite schaut, sieht etwas anderes: steigende Fixkosten, sinkende Nebenerlöse und eine Ertragskraft, die der Nachfrage nicht mehr folgt.
Das deckt sich mit dem, was wir bei profitize in den Zahlen unserer Kundinnen und Kunden immer wieder sehen. Volle Häuser beantworten nicht die Frage, ob ein Monat wirtschaftlich funktioniert hat. Das beantwortet erst der Blick auf Personalkosten, Wareneinsatz und Energiekosten im Verhältnis zum Ertrag, und zwar bevor der Steuerberater die Zahlen des Vormonats liefert.
Ein Lichtblick zeigt sich immerhin am Arbeitsmarkt: Die Verfügbarkeit von Mitarbeitenden verbesserte sich im Barometer von 3,3 auf 3,0. Für Betriebe, die ohnehin an der Kostenschraube drehen müssen, ist das zumindest eine Variable weniger, um die sie sich sorgen müssen.
Der Tourismusbarometer 2026 beschreibt keine kurzfristige Krise. Er beschreibt eine Branche, in der Umsatzwachstum und wirtschaftlicher Erfolg zwei unterschiedliche Dinge geworden sind.
Über profitize
profitize ist die Finanzzentrale für Hotels. Die Plattform führt Zahlen aus PMS, Kassensystemen, Buchhaltung, Personalwirtschaft und Bank an einem Ort zusammen und macht daraus Forecasts, Budgets und Kennzahlen, mit denen Hotelbetriebe tatsächlich steuern können, statt nur im Nachhinein zu berichten. profitize betreut heute rund 150 Hotels in mehr als fünf Ländern. Mehr unter profitize.io.
Quellen:
- Deloitte & ÖHV: Tourismusbarometer 2026, veröffentlicht am 03.06.2026 (Befragung von 229 Tourismusbetrieben, April 2026)
- gast.at: „Österreichs Tourismus im Renditeloch" (03.06.2026), https://www.gast.at/gastro-hotel/hotellerie/oesterreichs-tourismus-im-renditeloch/
- FaktuM & FM: „Tourismus kämpft mit sinkenden Gewinnen" (03.06.2026), https://faktum.at/tourismus-kaempft-mit-sinkenden-gewinnen/
- produkt.at: „Stimmungsbarometer", Interview mit ÖHV-Präsident Walter Veit (01.07.2026), https://www.produkt.at/stimmungsbarometer/
- Statistik Austria: Nächtigungsstatistik Wintersaison 2025/26
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