Tourismus & Hotellerie
Hotellerie 2026:
Warum Auslastung kein verlässlicher Erfolgsindikator mehr ist
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Die Betriebe sind gut gebucht, vielerorts ist die Auslastung solide und dennoch bleibt die wirtschaftliche Stimmung verhalten. Der Markt- und Trendreport Hotellerie Österreich 2026 von Prodinger Tourismusberatung zeigt, warum die Ursache weniger auf der Nachfrageseite liegt als in einer verschobenen Ertrags- und Kostenlogik.
Volle Häuser, verhaltene Zuversicht
Die Ausgangslage beschreibt Prodinger als „paradox“: stabile Nachfrage und solide Auslastung treffen auf Zurückhaltung in der wirtschaftlichen Bewertung. Das hat laut Studie einen strukturellen Grund. Nicht die Gästeseite ist das Problem, sondern eine Ertrags- und Kostenlogik, die sich über Jahre verändert hat und 2026 gleichzeitig wirksam wird.
Die Konsequenz ist weitreichend: 2026 wird nicht als Start eines neuen Wachstumszyklus gelesen, sondern als Jahr strategischer Entscheidungen - mit der Aufforderung, bestehende Modelle nicht nur zu optimieren, sondern bewusst neu auszurichten.
Der Winter unter Druck: Vom Ertragsanker zum Finanzrisiko
Besonders sichtbar wird der Strukturwandel im Wintertourismus. Die Studie beschreibt einen ungewöhnlich frühen Start der Saison 2025/26 und zugleich, wie fragil das Geschäftsmodell in tieferen und mittleren Lagen geworden ist: Ein ausgeprägter Föhneinbruch erschwerte die technische Beschneiung massiv. Gleichzeitig steigen die Kosten für eine belastbare Grundbeschneiung, während die Planungssicherheit sinkt.
Damit verschiebt sich die Abhängigkeit vom Winter laut Prodinger von einem operativen Risiko hin zu einem finanzwirtschaftlichen: Kreditentscheidungen, Förderfähigkeit und Investoreninteresse werden künftig stärker an klimatische Resilienz, Saisonenverteilung und Cashflow-Stabilität geknüpft.
Auch die saisonale Wertschöpfung wird enger: Ökonomisch konzentriert sie sich zunehmend auf Jänner und Februar; der März entwickelt sich - unabhängig von Schneelage oder Ostertermin - für viele Betriebe zum Problemmonat. Als Antwort skizziert die Analyse zwei Richtungen: eine deutlich stärkere Vermarktung von März (und in höheren Lagen auch April) als Wintersportzeit, oder eine strategische Erweiterung des Angebots über den klassischen Skifokus hinaus.
Sommer wächst, aber die Kostenlogik passt oft nicht
Während der Winter an Verlässlichkeit verliert, wächst der Sommer mengenmäßig deutlich. In vielen alpinen Regionen liegen die Nächtigungen laut Studie klar über dem Niveau von 2019. Trotzdem bleibt wirtschaftlich häufig weniger übrig.
Prodinger erklärt das mit einer strukturellen Schieflage: Viele Betriebe sind weiterhin von einer „Winter-DNA“ geprägt - Immobilien, Servicelevel und Personalmodelle sind auf das ertragreiche Wintergeschäft ausgerichtet und für Sommermonate mit niedrigeren Durchschnittsraten und schwankender Auslastung überdimensioniert. Das Ergebnis ist ein struktureller Margenverlust trotz steigender Nächtigungen.
Der Blick auf die Ertragskennzahlen unterstreicht diesen Befund: Nominal stiegen die Umsätze pro Nächtigung seit 2017 von knapp 183 Euro auf über 226 Euro (2025). Inflationsbereinigt ergibt sich jedoch ein Rückgang auf rund 131 Euro - die Studie spricht davon, dass die Branche seit 2017 rund ein Drittel ihrer realen Wertschöpfung eingebüßt hat.
Kosten, Inflation und Arbeit: Entspannung - aber zeitversetzt
Für 2025 nennt die Analyse eine Teuerungsrate von rund 3,5 Prozent. Ab 2026 wird eine spürbare Entspannung erwartet: Durch Basiseffekte dürfte die Inflation auf etwa 2,4 Prozent sinken, verbunden mit mehr Planungssicherheit und stabileren Kostenrelationen, insbesondere ab der zweiten Jahreshälfte 2026.
Auf der Kostenseite bleibt der Arbeitsmarkt dennoch die größte Herausforderung. Die Personalkosten inklusive Lohnnebenkosten liegen laut Studie in vielen Betrieben mittlerweile bei über 36 Prozent des operativen Umsatzes.
Budget ist das neue Smart: Operative Exzellenz schlägt Inszenierung
Einen klaren Wandel sieht Prodinger auf der Angebotsseite: Budget-, Economy- sowie Boutique-/Lifestyle-Konzepte erweisen sich als deutlich profitabler. Gleichzeitig verschiebt sich der Wettbewerb weg von Erlebnisinszenierung hin zu operativer Exzellenz.
Honouriert werden 2026 laut Studie vor allem:
- funktionale, moderne Zimmer
- klare Produktkerne
- professioneller Betrieb ohne Überinszenierung
Was daraus folgt: Klarheit wird zur Führungsaufgabe
Am Ende zeichnet die Studie ein klares Bild: 2026 ist kein Jahr für kleinschrittige Anpassungen oder kosmetische Korrekturen. Die alpine Hotellerie steht vor der Aufgabe, bestehende Modelle grundlegend zu hinterfragen und neu auszurichten. Entscheidend seien nicht Größe, Lage oder Tradition, sondern strategische Klarheit, betriebliche Disziplin und die Fähigkeit zur bewussten Reduktion.
Diese Einordnung stammt aus dem Markt- und Trendreport Hotellerie Österreich 2026 selbst. Die folgenden Überlegungen sind davon redaktionell abgeleitet und nicht Bestandteil der Studie.
Aus praktischer Sicht bedeutet die geforderte Klarheit vor allem eines: wirtschaftliche Zusammenhänge müssen früher sichtbar werden. Wenn Finanzierung, Saisonenlogik und Cashflow-Stabilität an Bedeutung gewinnen, reicht der Blick in rückwirkende Auswertungen nicht mehr aus. Betriebe brauchen im Alltag Werkzeuge, die Zusammenhänge strukturieren, Abweichungen erkennbar machen und Entscheidungen vorbereiten.
In diesem Kontext können Systeme wie profitize unterstützen, indem sie Finanzinformationen aus unterschiedlichen Quellen bündeln und verständlich aufbereiten. Nicht als Ersatz für unternehmerische Entscheidungen - sondern als Grundlage, um jene strategische Klarheit zu schaffen, die die Studie für 2026 als entscheidend beschreibt.
Quelle:
Markt- und Trendreport Hotellerie Österreich 2026, Prodinger Tourismusberatung (Thomas Reisenzahn & Marco Riederer).
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