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profitize Talk mit Simon Falkensteiner

„In der Hotellerie war die Kostenseite jahrelang ein blinder Fleck."

Schwarzer Hintergrund mit weiß, orangen Text der profitize Talk mit Simon Falkensteiner sagt. Ein Bild von Simon im runden Rahmen

Warum Simon Falkensteiner nach dem Exit von RateBoard erneut gründete und was rund 140 Hotels seither anders machen.

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Zweimal von vorne anfangen – das war kein Plan. Es war ein Instinkt. Aufgewachsen in einer Unternehmerfamilie, die seit Jahrzehnten zu den bekanntesten der Branche gehört, hat Simon Falkensteiner seinen eigenen Weg gewählt: 2015 gründete er RateBoard, ein Revenue Management System, das er fünf Jahre später erfolgreich an die Zucchetti-Gruppe verkaufte. 2024 startete er erneut – diesmal mit profitize, einer KI-gestützten Finanzanalyse-Plattform für Hotels. Nicht auf der Umsatzseite. Sondern dort, wo seiner Meinung nach das eigentliche Potenzial liegt: beim Gewinn.

Simon, du hast mit RateBoard ein Unternehmen aufgebaut, skaliert und verkauft. Was hat dich dazu gebracht, noch einmal von vorne anzufangen?

Das war kein einziger Moment. Ich war nach dem Verkauf von RateBoard noch vier Jahre dabei, habe mitbekommen, wohin sich die Branche entwickelt und mich hat dabei ein Thema nicht losgelassen: die Kostenseite. Beim Revenue Management optimiert man den Umsatz. Aber am Ende zählt, was unterm Strich übrig bleibt. Raten zurückzahlen, investieren, Mitarbeiter halten: Das geht alles über den Profit. Und da war aus meiner Sicht in der Hotellerie ein riesiges unbesetztes Feld. Es gab kaum etwas, das wirklich in die Tiefe geht.

Und rein persönlich – was treibt dich an?

Ich baue gerne Dinge. Dinge, die ich zum Teil auch selbst nutzen könnte und die anderen Hoteliers einen echten Unterschied machen. Ich bin gerne Problemlöser – das klingt vielleicht ein bisschen komisch, aber genau das ist es. Wenn man sieht, wie ein Betrieb durch bessere Datentransparenz Entscheidungen trifft, die er vorher so nicht treffen konnte, dann macht das Freude. Und das Thema Finanzmanagement in der Hotellerie hat so viele ungelöste Probleme, dass mir so schnell die Arbeit nicht ausgeht.

Du trägst einen Namen, der in der Branche viel Aufmerksamkeit erzeugt.
Was bedeutet das für dich als Gründer?

Es ist eine Chance und ein Anspruch. Das Netzwerk ist größer, als wenn man bei null anfängt – man kennt Leute, Leute kennen einen, das hilft gerade in der Frühphase. Gleichzeitig zwingt es einen, zu liefern. Man kann sich nichts schönreden. In Summe ist das eine gute Mischung – aber man darf sich auf keiner Seite etwas vormachen.

Wie hat sich profitize als Team zusammengefunden?

Michael Gorfer, unser heutiger Co-CEO, kannte ich schon länger. Wir hatten immer wieder Gespräche, auch über die Kostenseite in der Hotellerie – das Thema hat uns beide beschäftigt. Irgendwann habe ich zu ihm gesagt: Das taugt mir, lass uns was machen. So hat es angefangen. Michael bringt vor allem Vertriebs- und Support-Erfahrung mit – das ist sein Steckenpferd. Ich bringe eher Produkt und Strategie ein. Unser CTO Mark Nardi ist über eine Bekanntschaft dazugekommen – ein Schulkollege meines Cousins. Wir haben ihn zunächst eine kleinere App entwickeln lassen, das hat gut funktioniert, und daraus ist mehr geworden. Wir haben außerdem frühere Mitarbeiter aus der RateBoard-Zeit im Team. Das verbindet.

Was war der größte Unterschied zu deiner ersten Gründung?

Man geht ein bisschen lockerer in die Geschichte. Nicht weil man es nicht ernst nimmt – sondern weil man weiß, dass Probleme kommen und dass man sie lösen kann. Das erste Mal ist alles neu, es gibt Momente, wo man denkt: jetzt ist wirklich alles vorbei. Beim zweiten Mal weiß man: Das gehört dazu. Und man hat den Vorteil, Fehler zu kennen, die man nicht mehr machen muss. Gerade beim Thema Schnittstellen – das war bei RateBoard schon komplex und ist es bei profitize auch weiterhin. Wir haben von Anfang an anders priorisiert.

Welches Problem löst profitize konkret?

Viele Hotels erfahren erst sehr spät – oft lange nach Monatsende, beim Steuerberater – wie viel sie tatsächlich verdient haben. Was war der Gewinn? Wie hoch waren die Kosten wirklich? Vor allem der Kostenpunkt war lange ein blinder Fleck. Man hat sich auf den Umsatz konzentriert, weil der gut aussah. Aber wenn die Kosten aus dem Ruder laufen, hilft auch ein starker Umsatz nicht weiter.

profitize schafft nahezu Echtzeit-Transparenz: Man sieht am Ende des Monats die echten Zahlen – nicht erst in der Jahresbilanz. Und man hat eine Grundlage, um wirklich zu steuern. Wer spart wo? Was läuft besser als geplant? Was braucht Aufmerksamkeit?

Das klingt nach einem klaren Bedürfnis. Warum hat das bisher niemand gelöst?

Weil die Schnittstellen so komplex sind. Ein Hotel arbeitet im Schnitt mit sieben bis zehn verschiedenen Systemen: PMS, Kassensystem, Buchhaltung, HR, E-Rechnungen. Das alles automatisiert zusammenzuführen, ohne dass der Hotelier selbst alles manuell eintippen muss – das ist technisch sehr aufwendig. Wir haben mittlerweile über 40 Schnittstellen gebaut. Ein Großteil unserer IT-Kapazität fließt genau da rein. Aber es ist die Grundlage, die das System überhaupt sinnvoll macht.

Welche Rolle spielt KI dabei?

Eine zentrale – aber immer mit einem konkreten Zweck. Wir setzen KI für das Mapping und den Import von Daten ein, also dafür, dass Rechnungen automatisch den richtigen Kostenstellen zugeordnet werden. Wir nutzen sie für Forecasting: Wie viele Ankünfte sind zu erwarten, was bedeutet das für variable Kosten? Und wir haben einen KI-Chatbot im System, mit dem man die eigenen Daten direkt befragen kann – „Wie viel Cash kommt nächsten Monat rein?" oder „Wie haben sich meine Personalkosten im Vergleich zum Vormonat entwickelt?". KI macht das System bedienbar, auch für Hoteliers, die keine Controller-Ausbildung haben.

Wie reagiert die Branche darauf?

Das Feedback ist durchwegs positiv. Was mich interessiert: Es gibt eigentlich zwei sehr unterschiedliche Typen. Die einen haben ihre Zahlen vorher kaum gekannt – für die schafft profitize vor allem Klarheit, die es so nie gab. Die anderen haben ihre Zahlen sehr wohl im Griff gehabt, aber alles manuell zusammengebaut: Rechnungen reinklopfen, Systeme abgleichen, Abgrenzungen in der Buchhaltung machen. Die sehen vor allem die Zeitersparnis. Beides ist wertvoll, nur auf ganz unterschiedliche Weise.

Und was ich persönlich nicht erwartet hätte: wie viel Input von den Hoteliers selbst kommt. Vieles, woran wir beim Bauen des Produkts selbst nicht gedacht hatten, kam aus diesen Gesprächen. Das ist das Beste an einem frühen Kundenstamm – man lernt sehr schnell.

Aktuell nutzen rund 140 Hotels die Plattform – von kleinen Familienbetrieben in Südtirol bis zu größeren Häusern in Deutschland. Und wir merken, dass zunehmend auch Multi-Property-Betriebe anfragen, also kleinere Hotelgruppen mit mehreren Häusern. Das war ursprünglich nicht unser primärer Fokus – hat sich aber als starkes Segment entwickelt.

Im Frühjahr habt ihr eine Seed-Finanzierungsrunde über 1,4 Millionen Euro abgeschlossen. Was ermöglicht euch das konkret?

Wir bauen das Team aus – vor allem im Vertrieb und im Support – und entwickeln die Plattform gezielt weiter. Es gibt einige Themen, die wir schon länger angehen wollen: ESG-Tracking, also den CO₂-Fußabdruck automatisiert erfassen, ohne manuelle Eingaben. Warenwirtschaft und Beschaffung, damit Hotels basierend auf Forecasts vorausschauend einkaufen können. Und Benchmarking – die Möglichkeit, die eigenen Zahlen anonym mit vergleichbaren Betrieben zu spiegeln. Gerade für die Ferienhotellerie gibt es so etwas bisher kaum. Das sind die nächsten Schritte.

Wo steht profitize in drei Jahren?

Mindestens 1.000 Hotels auf der Plattform – das ist ein realistisches Ziel. Aktuell sind wir stark in Südtirol, Österreich, Deutschland und der Schweiz. Der nächste Markt ist ganz Italien. Danach werden wir nach Norden schauen: Skandinavien, die Niederlande. Märkte, in denen die Affinität zu datengestütztem Arbeiten hoch ist. Das Ziel ist klar: so groß wie möglich werden. Und ich glaube, das können wir auch.

Was empfiehlst du gerade zum Lesen?

Zwei Bücher, die ich wirklich gerne empfehle. „Psychology of Money" von Morgan Housel – ein sehr zugängliches Buch darüber, wie Menschen wirklich mit Geld umgehen, nicht wie sie es theoretisch sollten. Sehr ehrlich und ohne viel Fachjargon. Und Atomic Habits von James Clear. Es geht darum, wie kleine, regelmäßige Routinen langfristig große Wirkung entfalten. Die Grundidee trifft genau das, woran wir bei profitize arbeiten: Kleine Routinen, konsequent eingehalten, entfalten langfristig mehr Wirkung als große Projekte.

Simon, vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person – Simon Falkensteiner

Simon Falkensteiner ist Co-Founder und Co-CEO von profitize. Aufgewachsen in einer Hotelier-Familie, gründete er 2015 das Revenue Management System RateBoard, das er 2020 erfolgreich an die Zucchetti-Gruppe verkaufte. 2024 gründete er gemeinsam mit Michael Gorfer und Mark Nardi profitize – eine KI-gestützte Finanzanalyse-Plattform für Hotels, die Betrieben dabei hilft, ihre Kosten zu steuern und Profitabilität gezielt zu steigern. profitize hat seinen Sitz am NOI Techpark in Bozen.

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