Tourismus & Hotellerie

Nächtigungsrekord, sinkender Gewinn

Wenn steigende Nachfrage nicht zu höheren Ergebnissen führt

Hotelier blickt auf volles Schlüsselbrett – trotz Rekordbelegung sinkt der Gewinn. profitize erklärt, warum Umsatz allein kein verlässlicher Erfolgsindikator ist.

Österreich feiert das dritte Rekordjahr in Folge. Aber in vielen Betrieben schrumpfen gleichzeitig die Ergebnisse. Warum volle Hotels oft nicht gleichzeitig profitable Hotels sind.

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157 Millionen Nächtigungen. Der Rekord steht.
157,27 Millionen Übernachtungen in Österreich im Jahr 2025 – der höchste Wert seit Beginn der digitalen Aufzeichnungen im Jahr 1974, wie Statistik Austria Ende Januar 2026 bekannt gab. Zum dritten Mal in Folge wurde die 150-Millionen-Marke überschritten. Die Zahl der Ankünfte stieg um 3,1 Prozent auf 48,17 Millionen. Und die laufende Wintersaison 2025/26 setzt den Trend fort: Zur Halbzeit – von November 2025 bis Januar 2026 – wurden 36,11 Millionen Nächtigungen gezählt, ein Plus von 5,6 Prozent. Allein der Januar 2026 brachte mit 16,43 Millionen den höchsten je gemessenen Jänner-Wert.

Das Medienecho war entsprechend: Nächtigungsrekord trotz Schneemangels. Rekordstart in die Wintersaison. Tourismus auf Wachstumskurs. Die Schlagzeilen überschlugen sich und sie sind sachlich korrekt.

Was in diesen Meldungen oft fehlt, ist die andere Hälfte der Geschichte.

Der Fitness-Check 2025: Volle Betten, angespannte Margen

Im November 2025 veröffentlichten die Österreichische Hotel- und Tourismusbank (OeHT), die Prodinger Tourismusberatung und Kohl & Partner den Fitness-Check 2025 – erstmals auf Basis von mehr als 1.000 ausgewerteten Betrieben bzw. Jahresabschlüssen österreichischer Ferienhotels. Damit gilt die Studie als eines der größten betriebswirtschaftlichen Benchmarks der alpinen Hotellerie.

Das Fazit der Herausgeber lässt sich so zusammenfassen:
Die Branche ist aktuell weit entfernt von einer Ertragskatastrophe, aber ebenso weit von wirklich entspannten Verhältnissen.

Die Auslastung bleibt stabil. Die Energiepreise haben sich nach ihrem Allzeithoch etwas beruhigt. Der Wareneinsatz konnte leicht optimiert werden. Gleichzeitig steigen die Mitarbeiterkosten weiterhin deutlich – getrieben durch kollektivvertragliche Anpassungen und strukturelle Personalknappheit.

In den oberen Quartilen der Benchmark-Auswertung liegt der Mitarbeiteraufwand je Vollzeitäquivalent inzwischen in mehreren Segmenten bei über 50.000 Euro pro Jahr.

Vertreter der beteiligten Institutionen verweisen in ihren Analysen darauf, dass Personal inzwischen der zentrale Kostenblock vieler Betriebe ist und damit maßgeblich auf die Margen wirkt. Gleichzeitig zeigen die Auswertungen, dass die operativen Ergebnisse vieler Häuser unter Druck geraten: Trotz stabiler Nachfrage gelingt es vielerorts nicht, Preissteigerungen im selben Ausmaß durchzusetzen, wie die Kosten steigen.

Das operative Betriebsergebnis (GOP) – jene Kennzahl, die zeigt, was nach allen laufenden Kosten und vor Zinsen sowie Abschreibungen tatsächlich übrig bleibt – bewegt sich in vielen Segmenten weiterhin auf vergleichsweise niedrigem Niveau.

Auch auf Erlösseite zeigen sich Grenzen: In der klassischen 4-Sterne-Hotellerie waren zuletzt nur noch moderate Zuwächse beziehungsweise teilweise Stagnation beim Umsatz je Zimmer erkennbar.

Volle Häuser, aber keine entsprechende Gewinnsteigerung.

Frühjahr 2026: Gute Buchungslage, aber steigender Ertragsdruck

Dass es sich dabei nicht nur um ein rückblickendes Problem handelt, zeigen aktuelle Einschätzungen aus der Branche. Während die Buchungslage über die Feiertage und in den ersten Winterwochen vielerorts stabil erscheint, weisen Branchenanalysen gleichzeitig auf zunehmenden Druck auf die Ertragslage hin.

Ein Grund liegt im veränderten Gästeverhalten. Auswertungen der Österreichischen Hotelvereinigung zeigen, dass viele Gäste ihre Nebenausgaben reduzieren, Aufenthalte verkürzen oder häufiger günstigere Zimmerkategorien wählen. Entwicklungen wie diese wirken sich direkt auf den Ertrag pro Gast aus – ohne in der Nächtigungsstatistik sichtbar zu werden.

Auch der ÖHV-Hotelkongress im Jänner 2026 in Linz, an dem mehr als 600 Branchenvertreter teilnahmen, griff diese Themen auf. Unter dem Motto „Simplicity – einfach(er) machen“ standen Fragen nach Bürokratieabbau, strukturellen Kostenbelastungen und mehr unternehmerischem Handlungsspielraum im Mittelpunkt der Diskussionen.

Eine Debatte, die zeigt: Innerhalb der Branche wird derzeit weniger über Rekorde gesprochen – sondern über Effizienz, Kostenstrukturen und Profitabilität.

Nächtigungen messen Nachfrage. Nicht Profitabilität.

Das ist der Kern des Problems:
Nächtigungsstatistiken messen, wie viele Menschen in Hotels übernachtet haben. Sie sagen nichts darüber aus, wie viel davon am Ende übrig bleibt.

Die wirtschaftliche Realität eines Betriebs zeigt sich nicht in der Nächtigungsstatistik, sondern in der Gewinn- und Verlustrechnung.

Wer sein Hotel ausschließlich an Auslastung oder Gesamtumsatz misst, bewertet einen Betrieb nach Kennzahlen, die operative Risiken oft zu spät sichtbar machen. Gerade in der Ferienhotellerie – mit ausgeprägter Saisonalität, hohen Fixkosten und schwankenden Buchungsvorlaufzeiten – kann dieser blinde Fleck problematisch werden.

Wenn in starken Monaten wie Dezember oder Januar die Kostenstruktur nicht aktiv gesteuert wird, zeigt sich die Wirkung häufig erst Wochen später – etwa wenn die Buchungsvorschau im Frühjahr nachlässt und Anpassungen kaum noch möglich sind.

Analysen aus der Branchenberatung weisen seit längerem darauf hin, dass es vielen Betrieben schwerfällt, Preissteigerungen im gleichen Tempo durchzusetzen wie die eigenen Kosten steigen. Die Folge sind sinkende operative Ergebnisse – und in Kombination mit gestiegenen Zinsen zunehmend schwierigere Investitionsbedingungen.

Vom Rückspiegel zum Steuerrad

Das eigentliche Problem ist dabei nicht fehlendes Zahlenmaterial – sondern der Zeitverzug.

Viele Hoteliers wissen erst Wochen oder Monate nach Saisonende, wie der vergangene Monat wirtschaftlich tatsächlich gelaufen ist. Zu diesem Zeitpunkt sind Entscheidungen, die noch etwas verändern könnten, längst nicht mehr möglich.

Was Betriebe brauchen, ist keine umfangreichere Berichterstattung, sondern frühzeitigere Klarheit:

  • Wo laufen Personalkosten im Verhältnis zur Auslastung aus dem Ruder?

  • Wo überschreitet der Wareneinsatz den Planwert?

  • Welche Fixkosten laufen weiter, obwohl die Belegung sinkt?

  • Und vor allem: Reicht der Cashflow für die kommenden Wochen?

Dafür braucht es eine Datenbasis, die relevante Systeme zusammenführt – etwa PMS, POS, HR, Buchhaltung oder Energiedaten und die Informationen so aufbereitet, dass Entscheidungen auf aktuellen Zahlen beruhen.

profitize ist eine KI-gestützte Finanzplanungs- und Analyseplattform, die diesen Ansatz für die Hotellerie im DACH-Raum umsetzt: nicht mehr Daten, sondern klarere Entscheidungsgrundlagen – tagesaktuell, verständlich und branchenspezifisch aufbereitet.

Dieser Beitrag wurde durch einen Impuls von Stefan Brida, Partner bei Kohl & Partner, angeregt.

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