7 Fragen, bevor Sie Ihr Hotelbudget 2027 freigeben
Warum ein gutes Budget nicht beim Umsatz aufhört und wo die Annahmen am häufigsten wackeln
Das Budget für 2027 wird gerade gebaut. Die Kosten steigen weiter, und bei vielen Häusern bleibt trotz guter Auslastung weniger übrig. Sieben Fragen helfen zu prüfen, ob Ihr Plan auch dann trägt, wenn das Jahr anders läuft als gedacht.
Anfang Oktober, das Backoffice hinter der Rezeption. Die Excel-Datei ist offen, die Vorjahreszahlen sind eingetragen. Daneben steht eine Spalte mit „+ 4 %“.
So entstehen viele Hotelbudgets. Die Saison ist noch nicht vorbei, die Zeit ist knapp. Doch die Rahmenbedingungen haben sich verschoben. Im Deloitte-ÖHV-Tourismusbarometer 2026 gab jedes zweite Hotel an, dass sich der Gewinn schwächer entwickelt als der Umsatz. Volle Häuser allein reichen nicht mehr. OTS
Das Budget ist deshalb mehr als eine Pflichtübung für Bank und Steuerberater. Es ist die Messlatte, an der Sie zwölf Monate lang erkennen, ob etwas aus dem Ruder läuft. Und es ist nur so gut wie die Annahmen, auf denen es steht.
1. Ist das Vorjahr wirklich der richtige Ausgangspunkt?
„Vorjahr plus ein paar Prozent“ ist bequem. Das Vorjahr enthält aber Dinge, die sich nicht wiederholen: eine große Reparatur, ein verregneter Juni, eine Gruppe, die nicht wiederkommt. Umgekehrt fehlen darin Kosten, die 2027 sicher kommen. Dazu mehr bei Frage 3.
Stellen Sie sich bei jeder größeren Position eine einfache Frage: Warum steht genau diese Zahl hier? Wenn die einzige Antwort „weil sie letztes Jahr auch so war“ lautet, lohnt ein genauerer Blick.
2. Planen Sie Umsatz oder Gewinn?
Till Schäfer, Managing Director Finance bei Falkensteiner Hotels & Residences, bringt es auf den Punkt: „Umsatz ist wie Schnee – er verdeckt alles.“ Der Umsatz kann hervorragend aussehen, während die Kosten längst davonlaufen.
Die Branchenzahlen bestätigen das. Laut Fitness-Check 2025 für die österreichische Ferienhotellerie hat sich das operative Betriebsergebnis, gemessen am Umsatz, auf einem historisch niedrigen Niveau eingependelt, weil kollektivvertragliche Lohnerhöhungen die Ergebnisse unter Druck setzen. Das operative Betriebsergebnis, oft GOP genannt, ist der Betrag, der nach allen laufenden Kosten des Hotels übrig bleibt, noch vor Zinsen, Abschreibungen und Pacht. Oeht
Dazu kommt: Auch der Umsatz selbst ist nicht mehr so planbar. Im Tourismusbarometer berichten bereits 63 Prozent der Betriebe von rückläufigen Nebenausgaben der Gäste, etwa im Restaurant oder im Spa. Wer 2027 mit steigenden Zusatzerlösen plant, sollte gute Gründe dafür haben. Tiroler Tageszeitung
Ein Budget sollte deshalb nicht beim Umsatz enden, sondern beim Betriebsergebnis.
3. Sind Ihre Personalkosten ehrlich geplant?
Personal ist in den meisten Hotels der größte Kostenblock. Für 2027 stehen mehrere Erhöhungen bereits fest:
In Österreich steigen die KV-Entgelte im Hotel- und Gastgewerbe ab 1. Oktober 2026 um durchschnittlich 3,02 %, dazu kommt eine Einmalzahlung von maximal 275 Euro. 2027 wirkt diese Erhöhung damit zum ersten Mal über ein ganzes Jahr. Oehv
In Deutschland steigt der gesetzliche Mindestlohn zum 1. Januar 2027 um weitere 5 Prozent auf 14,60 Euro. Zusätzlich werden Minijobs teurer: Der Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung für gewerbliche Arbeitgeber steigt ab 1. Januar 2027 von 13 auf voraussichtlich 17,5 Prozent. Magazin-kueche, Personalwirtschaft
In Italien und damit auch in Südtirol sieht der nationale Kollektivvertrag Tourismus weitere Erhöhungsstufen im April 2027 und im November 2027 vor. BustaIA
Rechenbeispiel: Bei Personalkosten von 1 Mio. Euro bedeutet eine Lohnerhöhung von 3 % rund 30.000 Euro Mehrkosten im Jahr.
Hinzu kommen Posten, die in keiner Tariftabelle stehen: Überstunden, Resturlaub, der ins neue Jahr wandert, und die Frage, wie lang Saisonverträge laufen. Planen Sie Personal daher nach Abteilung und nach Monat, abgestimmt auf die erwartete Auslastung. Eine Jahressumme reicht nicht.
4. Wissen Sie, was ein Gast Sie kostet?
Viele Kosten wachsen mit jedem Gast mit: Frühstück, Wäsche, Energie, Verbrauchsmaterial. Wer diese Kosten pro Gast kennt, kann sie mit den erwarteten Übernachtungen hochrechnen. Und er sieht später sofort, wenn sie abweichen.
Hier gibt es auch positive Signale. Laut Fitness-Check geht die Wareneinsatzquote leicht zurück. Das zeigt: Wer genau hinschaut, kann an dieser Stelle gegensteuern. Prodinger
Nicht jeder Monat ist gleich. Zur Saisoneröffnung ist der Wareneinsatz pro Gast oft höher, weil Lager aufgefüllt werden. Ein realistisches Budget bildet das Monat für Monat ab.
Rechenbeispiel: Geplant sind 12 Euro Wareneinsatz pro Gast, tatsächlich werden es 14 Euro. Bei 20.000 Übernachtungen im Jahr fehlen 40.000 Euro im Budget.
5. Wann haben Sie Ihre Fixkosten zuletzt hinterfragt?
Energie, Internet, Versicherungen, Wartungsverträge, Software. Vieles läuft Jahr für Jahr durch, jedes Mal ein wenig teurer durch die Indexierung.
Vor allem die Energie bleibt ein Unsicherheitsfaktor. In Österreich lag die Inflation im März 2026 bei 3,2 %, angetrieben insbesondere von Treibstoff- und Heizölpreisen (+38,2 %). Neun von zehn Betrieben rechneten im Frühjahr mit weiteren Kostensteigerungen für den Sommer 2026. Oehv, Gast
Till Schäfer rät, Verträge aktiv neu zu verhandeln. Wer sich zum Beispiel für drei Jahre bindet, kann dafür einen deutlichen Nachlass verlangen. Einzeln wirken diese Posten klein, zusammen machen sie oft einen spürbaren Teil des Ergebnisses aus. Die Budgetplanung ist der richtige Moment, jeden Vertrag einmal in die Hand zu nehmen.
6. Womit vergleichen Sie Ihre Zahlen?
Der Vergleich mit dem Vorjahr zeigt, ob Sie besser oder schlechter geworden sind. Er zeigt nicht, ob Sie gut sind. Dafür braucht es einen Maßstab von außen.
Für die Ferienhotellerie gibt es ihn. Der Fitness-Check von OeHT, Prodinger Tourismusberatung und Kohl & Partner umfasst das größte Benchmarking im Alpenraum in der Hotellerie mit erstmals über 1.000 Betrieben. Demnach bewegt sich das operative Betriebsergebnis zwischen 21,49 % des Umsatzes (Median 4-Sterne) und 23,72 % (Median 4-Sterne superior und 5-Sterne). Liegt Ihr Haus deutlich darunter, lohnt es sich, die einzelnen Kostenblöcke genauer anzuschauen. Oeht, Tai
Rechenbeispiel: Liegen Ihre Verwaltungskosten bei 8 % des Umsatzes, bei vergleichbaren Hotels aber bei 5 %, dann sind das bei 2 Mio. Euro Umsatz 60.000 Euro Unterschied.
7. Reicht das Geld auch im April?
Ein Budget kann auf dem Papier einen Gewinn zeigen und trotzdem eng werden. Saisonbetriebe kennen das: Die Kosten vor der Eröffnung fallen an, bevor die ersten Gäste zahlen. Dazu kommen Kreditraten und geplante Investitionen.
Viele Betriebe reagieren bereits. In Österreich reduzieren 41 % der Betriebe ihre geplanten Investitionen, nur 6 % erhöhen sie. In Südtirol haben viele Betriebe ihre Investitionen reduziert, um ausreichende Ertragsmargen zu sichern. Oehv Südtirol News
Gregor Hoch, Ehrenpräsident der Österreichischen Hoteliervereinigung, formuliert die entscheidende Frage so: „Reicht es? Oder wird es eng?“ Ihr Budget sollte darauf eine Antwort geben, und zwar für jeden einzelnen Monat.
Bevor Sie unterschreiben
Mit der Freigabe ist die Arbeit nicht getan, sie beginnt erst. Die meisten Abweichungen sind im Rückblick keine Überraschung. Sie werden nur zu spät sichtbar, weil die monatliche Auswertung vom Steuerberater erst Wochen später auf dem Tisch liegt.
Genau dafür ist profitize gebaut. Die Plattform führt Buchhaltung, Kassensystem, Hotelsoftware und Dienstplan an einem Ort zusammen und stellt das Budget laufend den tatsächlichen Zahlen gegenüber. Außerdem zeigt sie auf Basis der aktuellen Buchungen, wohin sich das Jahr entwickelt. Läuft eine Position aus dem Plan, sehen Sie es früh genug, um gegenzusteuern.
Unsicherheit lässt sich nicht wegplanen. Aber man kann sie früher erkennen.
Quellen
- Deloitte & ÖHV: Tourismusbarometer 2026 – oehv.at/recht-service/studien-kennzahlen/deloitte-und-oehv-tourismusbarometer-2026
- ÖHV-Presseaussendung zur OeNB-Analyse, 22.09.2026 – ots.at
- OeHT, Prodinger Tourismusberatung, Kohl & Partner: Fitness-Check 2025 für Hotels – oeht.at
- ÖHV: Erhöhung der KV-Entgelte per 1. Oktober 2026 – oehv.at
- DEHOGA: Mindestlohnerhöhung 2026/2027 – dehoga-berlin.de
- Minijob-Zentrale / Personalwirtschaft: Pauschalbeitrag Krankenversicherung ab 2027
- CCNL Turismo Federalberghi, Erneuerung vom 5. Juli 2024 – bustaia.it / confcommerciolecco.it
- WIFO der Handelskammer Bozen: Wirtschaftsbarometer Sommer 2026, Gastgewerbe – suedtirolnews.it
- profitize Investor Talks mit Till Schäfer und Gregor Hoch